Bundesverband der Kehlkopfoperierten e. V.

Der Bundesverband leistet zeitgerechte Sozialarbeit zum Wohle aller Kehlkopflosen, Rachen- Kehlkopfkrebs-Erkrankten und Halsatmern. Er hat sich zum Ziel gesetzt alle Maßnahmen, insbesondere zur sprachlichen, medizinischen, gesundheitlichen und beruflichen Rehabilitation von Betroffenen zu fördern.

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Pflege - Homecare - Laryngektomie
Ärztin mit Kehlkopfmodell in der Hand
© istockphoto.com/ericsphotography

Hilfe bei Sprachverlust

Unter Laryngektomie versteht man die operative Entfernung des Kehlkopfes, vorwiegend bei Kehlkopfkrebs. Der Kehlkopf erfüllt zwei wesentliche Aufgaben. Er trennt Speise- und Luftwege, so dass die durch den Mund eingeatmete Luft in die Luftröhre und die ebenfalls über den Mund aufgenommenen Speisen aber in die Speiseröhre gelangen. Als zweite Funktion wird in ihm die Stimme erzeugt.

Nach einer Laryngektomie geschehen Atmen und Schlucken auf getrennten Wegen. Der neue Atemweg endet jetzt am unteren Hals in der Atemöffnung der nach außen gelegten Luftröhre (Tracheostoma).
Da die Stimmbänder entfernt worden sind und die Atemluft nicht mehr durch den Mund-Rachenraum fließt, kann kein Ton mehr produziert werden. Dem Betroffenen werden zunächst alle Möglichkeiten genommen, sich verbal auszudrücken. Doch die Fähigkeit zu sprechen ist nicht für immer verloren, denn mithilfe eines Logopäden kann eine Ersatzstimme trainiert werden.

In der logopädischen Therapie hat der Patient die Möglichkeit drei verschiedene Ersatzstimmen zu erlernen.

 

Elektronische Sprechhilfe
Die elektronische Sprechhilfe stellt für den Betroffenen in der Regel die erste Kommunikationsmöglichkeit dar. Sie besitzt eine Membran, die auf die Haut am Hals aufgesetzt wird und Schwingungen von außen in den Rachenraum bringt. Die entstehenden Töne können dann im Mundraum individuell moduliert werden, wobei sich Lippen und Zunge wie vorher beim natürlichen Sprechen bewegen.

Vorteile:

  • Eine Regulierung der Lautstärke ist möglich.
  • Die Sprechdauer ist unabhängig von der Anstrengung.
  • Ein dauerhafter Einsatz ist möglich.

Nachteile:

  • Die erzeugte Stimme klingt monoton und mechanisch.

 

Ösophagusstimme (Speiseröhrenersatzstimme)
Bei der Ösophagusstimme, auch Speiseröhrenersatzstimme genannt, wird eine Technik erlernt, ohne Stimmbänder zu sprechen. Dabei wird Luft in die Speiseröhre gedrückt und dosiert wieder herausgelassen. Dadurch entstehen wahrnehmbare Töne, die zu Sprachlauten geformt werden können.

Vorteile:

  • Die Stimme wird ohne zusätzliche Hilfsmittel erzeugt.

Nachteile:

  • Die Stimme ist kaum modulationsfähig.
  • Das Erlernen ist nicht bei allen Betroffenen möglich.
  • Durch die Ruktus-Bildung können ästhetische Barrieren entstehen.

 

Shunt-Ventil
Das Shunt-Ventil ist eine Stimmprothese, die zwischen Luftröhre und Speiseröhre operativ eingesetzt wird. Wenn der Stimmprothesen-Träger sein Tracheostoma verschließt, gelangt die Luft der Ausatmung über Luftröhre und Ventil in die Speiseröhre. Hier strömt sie weiter durch die Speiseröhre in den Mundraum. Die Schleimhautfalten in der Speiseröhre werden in Schwingungen versetzt und ermöglichen dadurch die Stimmbildung.

Vorteile:

  • Das Einsetzen des Ventiles kann direkt bei der OP oder auch noch Jahre später ambulant erfolgen.
  • Der Lernaufwand ist äußerst gering.
  • Ein flüssiges Sprechen und die Betonung der Worte ist möglich.

Nachteile:

  • Zum Sprechen muss immer eine Hand frei sein.
  • Essen und Sprechen müssen strikt getrennt werden, sonst droht ein Verschlucken.
  • Genaue Pflegemaßnahmen müssen eingehalten werden und regelmäßige Kontrollen durch den Arzt durchgeführt werden.

 

Nach dem Anbahnen der Ersatzstimme gehen die Betroffenen mit ihrer Ersatzstimme im Alltag oft sehr schüchtern um. Denn sie befürchten meist negative Reaktionen auf ihre ungewöhnliche Stimme.
Diese Sorgen können größtenteils vermindert werden, indem der Logopäde gemeinsam mit dem Betroffenen unter die Leute geht und selbst mit der Ersatzstimme spricht. So kann man erst einmal nur zusehen und doch überwiegend freundlichen und höflichen Reaktionen der Mitmenschen aus sicherer Entfernung erleben. Auf diese Weise ermutigt, wenden die meisten Betroffenen ihre "neue Stimme" auch erfolgreich im Alltag an. AW

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