Fahrzeugumrüstung
Fahrzeugumrüstung ab Werk: Informationen der Hersteller
Der Entschluss ist gefasst: Ein Neuwagen soll her, am besten bereits mit den nötigen Fahrhilfen ausgestattet. Wie lässt sich dieser Wunsch nun konkret realisieren? RehaScout fragt bei den Herstellern nach.
Nachträgliche Fahrzeugumrüstung
Umrüstbetriebe realisieren Sonderlösungen – sie passen neue und gebrauchte Fahrzeuge an individuelle Anforderungen an, damit auch Menschen mit schweren Behinderungen selbständig Auto fahren können.
Mobilität - Auto - Fahrertraining

- Bilder: Daimler AG
Fahrertraining in Hockenheim
Die Disziplinen sind hart. Sie heißen: Hütchen-Slalom, Wasser-Hürden, Power-Slider und natürlich Schock-Bremsen, die Fahrer allesamt Profis – im Rolli. Einer fällt besonders auf: Norbert, Anfang 40, autoaffin und quicklebendig. Er fährt selbst VW mit Gas-Ring (wie übrigens 75% der anwesenden Fahrer). Heute darf er als RehaScout-Gewinner des Fahrertrainings mit einem neuen Mercedes E-Klasse mit Veigel Handgas über den Parcours heizen. Wir sitzen nebeneinander und er meint, mit seinem eigenen Auto würde er das alles nicht machen und steigt mit einem Leuchten in den Augen bei Tempo 80 voll in die Eisen – Bremsweg unter zehn Meter, die Menge tobt.
Aber alles der Reihen nach, zurück zum Start.
8.00 Uhr Hockenheim Ring
Eine noch verschlafene Menge von 13 Rolli-Fahrern wird mit Kaffee und Frühstück aufgefrischt, denn es wartet ein erlebnisreicher Tag auf sie – ein Fahrertraining für Selbstfahrer mit Fahrhilfen, das Mercedes-Benz, Küschall und Hollister gemeinsam veranstalten. Das ADAC-Training kann sowohl mit dem eigenen Auto wie auch mit einem Mercedes absolviert werden. Dazu stellt Mercedes-Benz sechs umgerüstete Fahrzeuge zur Verfügung, die mit Lenkraddrehknauf, Handbediengerät für Gas- und Bremse sowie einer Pedalabdeckung ausgestattet sind. Nach der Einführungsrunde in Ablauf und Theorie geht es mit den Autos auf den Platz. Zunächst steht die Bewältigung eines Slalomparcours auf dem Programm. Die Hütchen sind im Abstand von 18 Metern positioniert. Wer glaubt, das sei bei Tempo 60 km/h einfach, der möge kurz berechnen, wie viel Zeit bei 18 Meter Abstand für das Lenken bleibt, und gleichzeitig das nächste Hütchen anzuvisieren. Die Trainer sind per Funk immer dabei, Hüttchen umwerfen kostet zwei Euro in die Kaffeekasse.
Schnell wird klar: Die meisten Schwierigkeiten resultieren aus einer falschen Sitzposition. Deshalb werden vor der nächsten Übung erst einmal alle Fahrer "richtig" ins Auto gesetzt. Das heißt, die Rückenlehne muss so aufrecht stehen, dass die Handgelenke über dem Lenkrad liegen und die Schultern immer noch die Rückenlehen spüren. Ein Durchdrücken der Arme am Lenkrad soll gerade nicht mehr möglich sein. Der Trainer meint so wäre es richtig und die Fahrer prüfen ihr Unwohlsein – auch Norbert schüttelt zunächst den Kopf. Bald aber versteht jeder den Vorteil dieser Position denn es steht Bremsen steht auf dem Trainingsplan.
Wie lange ist der Reaktions- und Bremsweg eines Autos bei Tempo 30 und wie lange bei Tempo 50? Da die Frage etwas für Mathefüchse ist und nichts für hungrige Fahrjunkies, wird die Antwort ausgetestet statt ausgerechnet. Gewürzt wird das Ganze mit höheren Geschwindigkeiten und mit geworfenen Hindernissen und gekrönt wird das Fahrerkönnen mit Bremsen auf nasser Straße und simulierter Schneedecke. Es öffnen sich völlig neue Erlebniswelten für die Probanden. Es ist äußerst lehrreich mit anzusehen, dass man im echten Straßenverkehr trotz wohlmeinenden Abstand, aufgrund Reaktionszeit und Bremsweg seinem Vordermann garantiert freundlich die hintere Stoßstange eingedrückt hätte, obwohl das Auto 100% seiner Bremskraft aufgefahren hat. Deshalb zeigen uns die Trainer nun optisch und dann auch doch noch rechnerisch, wie weit Bremsweg und Reaktionsweg bei einer Reaktionszeit von einer Sekunde sind. Die Schätzungen aller Teilnehmer sind regelmäßig zu kurz.
12.00 Uhr Kantine
Das muss erst einmal verdaut werden, und zwar bei einem köstlichen Mittagessen, das mit einer Überraschung beginnt: Rainer Küschall, selbst begeisterter Motorsport Fan und Profi-Fahrer, besucht das Training und gesellt sich zu uns zum Mittagessen. Seiner Meinung nach sollte ein Fahrsicherheitstraining zum Standard einer jeden Fahrausbildung gehören. Gerade die extremen Übungen schärfen bei Fahrschülern die Sinne für Situation, Fahrverhalten und Auto. Darin sind sich nach diesem Tag übrigens alle einig.
14.00 Zurück auf dem Parcours
Der Nachmittag gehört ganz den Wasser-Elementen. Lenken, Gegenlenken, Schleudern, Bremsen, Wasserhindernisse und Tempovorstöße auf nasser rutschiger Fahrbahn. Alle die mit ihrem eigenen Auto das Training absolvieren fahren vielleicht etwas vorsichtiger, die Mercedes Fahrer dagegen testen ihr Auto auf Herz und Nieren. Norbert meint, früher sei er kein Freund von Langsamkeit gewesen. Heute hätte sich das geändert. Nach seinem nächsten Ausweichmanöver mit Vollbremsung und dem sich anschließenden Gefühl in meinen Eingeweiden glaube ich ihm das nicht so recht und steige lieber aus, um ein paar sehr wichtige Fotos zu machen - das Wetter ist gerade passend.
Fazit
Nachdem schließlich alle Disziplinen erfolgreich gemeistert sind, kann man in vielen Gesichtern Entspannung und Erlösung lesen. Dennoch haben alle – wirklich alle – von diesem Tag profitiert. Die Erwartungen wurden von den Teilnehmern in der Einführungsrunde klar formuliert: sicherer mit dem eigenen Auto werden und ausprobieren, wo die Grenzen sind. Das wurde eindrucksvoll erfüllt. Uns bleibt nur allen Selbstfahrern mit Behinderungen zu empfehlen, so ein Fahrertraining zu absolvieren. Mit Sicherheit wird Mercedes Benz auch kommendes Jahr Fahrertrainings anbieten. RehaScout wird dabei sein und darüber berichten. (SK)






